Quantboats ein globales Unternehmen

Mit der Einführung und dem darauffolgenden «Hype» um die Quant 23, schaffte es QuantBoats rasch in die Gruppe von Unternehmen, die auch global genannt werden, wenn es um «Innovation» im Segelsport geht.

Für uns selber war jedoch klar, dass die Quant 23 und der European Yacht Award im Januar 2016 nur die Weiterführung von dem war, was Hugh Welbourn mit der Quant 28 und der Quant30 auf unsere Initiative hin, lange vor der Q23 entwickelte.

Der uns verliehene Award, war das Attest dafür, dass wir etwas wirklich Neues gewagt und geschafft haben. Mit unserem Statement, mit der Quant23 einen «Foiler für die segelnde Allgemeinheit» kreiert zu haben, waren bestimmt nicht alle einverstanden

2018
2019

Aber die Begeisterung überwog und das führte zu einem Wirbel in der Presse (Spiegel-Online war die Awardverleihung sogar eine Titelseite wert). Das verhalf uns zu viel Aufmerksamkeit von allen Seiten (siehe auch Jahre 2015-2016). Man begann sich dafür zu interessieren, wie wir überhaupt auf diese Lösung kamen bzw. was wir vor der 23er taten.

Wir sahen uns deshalb erstmals veranlasst, Bilanz zu ziehen und uns zu überlegen, wie die weitere Entwicklung aussehen könnte. Abgesehen vom Ziel, die «ausgezeichnete» Quant23 zu vermarkten.

Was wollten wir mit der neuen Bekanntheit anfangen und was konnten wir als Mikro-Unternehmen in der Zukunft überhaupt schaffen? Wir beschlossen, den «Vorteil der Stunde» dafür zu nutzen, unserem eigentlichen Unternehmensziel Foiling einer sehr viel breiteren Zielgruppe zu ermöglichen, ein paar Schritte näher zu kommen.

Seit diesen Tagen unterstreichen wir unser Logo deshalb auch mit Formel «sailing redefined».  

Wir alle waren überzeugt, dass Foiling eine Zukunft hat. Nicht nur junge Segler/Innen waren von der Idee fasziniert, sondern auch ältere. Aber es ging vorerst vor allem ums «Schnuppern». Die meisten betrachteten die ersten Kontakte zum Foiling-Sport als Experiment. Der Gedanke sich einen Foiler anzuschaffen, keimte anfänglich höchstens bei den «Mutigsten».  

Es stellte sich deshalb die Frage, welches Gerät diese potentiellen Einsteiger brauchen würden.

Die Quant23 ist – bei richtiger Handhabung – ohne jeden Zweifel einsteigertauglich und auch für Schulungszwecke geeignet. Auf der anderen Seite ist sie ein «richtiges Boot» mit allen Konsequenzen für ihre Besitzer, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch was das ganze Drumherum mit Liegeplatz, Mannschaft, Terminplanung etc. anbelangt.

Vielleicht wäre das ideale Einsteigerboot, eher ein möglichst einfaches Einhandboot, das dem Besitzer, der Besitzerin die Freiheit bietet jederzeit und ohne grossen Aufwand aufs Wasser zu gehen? Und das nicht nur auf dem Heimrevier sondern dank einfachem Transport auch auf anderen verlockenden Gewässern.

Ein Boot zu besitzen, scheint heute für viele eine belastende Situation zu sein.

Sportgeräte hingegen werden gerne und auch spontan gekauft. Wir gingen davon aus, dass unter diesen Sammelbegriff auch kleine, leichte Segelboot gehören würden. Einfachere und sehr viel erschwinglichere Boote als es eine Q23 ist.

Es schien uns natürlich, dass wenn jemand ein Experiment wagt, ein günstigeres Gerät einem teureren – aber auch komplexeren – vorgezogen wird.

Aus diesem Grund machten wir uns auf die Suche, ob das was uns vorschwebte und in unsere Produktphilosophie passte, bereits existiert.

In diesem Zusammenhang dachte ich an Dr. Ian Ward. Er ist der Erfinder des Centre-Line Foil-Systems und der erste Mensch, der damit kontrolliert «geflogen» ist. Eingebaut war es in einer Moth.

  http://www.internationalmoth.co.uk/archives/history/foiling-history/

Ich hatte bereits aus anderen Gründen Kontakt mit ihm und ich kannte seine Einstellung zum Thema. Er hatte sich ein interessantes Ziel gesetzt, welches mit unserem eigenen sehr gut korrespondierte. Er entwickelte ein Foilset für den Laser.

Wie wir, wollte er Foilen auch für normale Segler zugänglich machen und weg bringen vom abgehobenen Profi-Zirkus. Das universelle Image des Lasers und die aktuelle Verbreitung der Boote weltweit, sah er als Chance.

Wir diskutierten in der Folge intensiv über alle möglichen einsteigertauglichen Konzepte. Es ging um Grösse, Rumpfform, Foil System und natürlich auch um die praktische Umsetzung und die Kosten.

Wir entdeckten bald, dass Ian mit seinem langjährigen Freund und Werftbesitzer
Jim French (heute «Skeetafoilingcraft» in Melbourne)  – ebenfalls ein Mothie – das Thema schon länger wälzte. Mit Blick auf unsere «Quant 23-Initiative» erachteten beide die Zeit für gekommen, der segelnden Allgemeinheit ein passendes, möglichst gutmütiges und flexibel einsetzbares Boot zu offerieren.

Viele e-mails und Telefongespräche später erhielten wir Ende 2016 eine Einladung von den beiden, um den Prototypen eines «Volksfoilers» auf der Basis einer Moth in Scow-Shape zu segeln.

Roger – ein langjähriger Freund von mir und eine Schlüsselfigur im QuantBoats-Projekt – und ich packten im Februar 2016 unsere Neos ein und flogen nach «Downunder».

Der Prototyp war eine Scow – bereits ähnlich der späteren Skeeta. Das Rigg glich in Grösse und Geometrie dem einer Moth. Geflogen wurde auf zwei kleinen Foils, die steuer- und backbordseitig im Rumpf platziert waren. Hinten stabilisierte ein Ruderfoil.
Die Idee war bestechend – der luvwärtige Foil sollte nach dem Abheben mit einer Mechanik hochgenommen werden können – wie es bei den Kats und auch der Quant 23 der Fall ist. Dadurch konnte Widerstand minimiert werden und der Auftrieb des Leefoils hob nicht nur das Boot an, sondern spendierte auch aufrichtendes Moment.

Das Boot war dank den kleinen Foils schnell und Roger und ich hatten keine Mühe, kontrolliert von der einen Seite der Bucht zur anderen zu foilen. Wir waren vom Boot und dem System angetan und für anfangs 2016, war der Ansatz schon sehr tauglich.

Ein paar Monate nach unserer Rückkehr erfuhren wir, dass das Bi-Foil-Konzept ad acta gelegt wurde, weil es zwar gut geradeaus fuhr aber die Manöver eine Plage waren. Ausserdem waren die Leistungen am Wind eher bescheiden, weil man – systembedingt – nur mit wenig Luvkrängung segelte. Zudem funktionierte die Mechanik, welche die Foils hoch und runter bewegen sollten nicht gut genug für ein Einmann-Boot.

Anfangs zweite Hälfte 2017 erreichten uns aus Australien Neuigkeiten. Das Bi-foil-System wurde durch ein Centre-Line-Systems ersetzt. Die Flughhöhenkontrolle übernahm ein «Wand» (Sensor), wie ihn Moth und Waszp kennen. Das auffällige Alleinstellungsmerkmal – der Scow-Shape des Rumpfes – blieb bestehen und wurde zielgerichtet weiterverfeinert.

Ein erstes seriennahes Boot wurde auf anfangs 2018 angekündigt und mit der Frage verknüpft, ob wir weiterhin interessiert seien, dabeizusein? Mit dem Segen von Max Schmid – QuantBoats-Partner und Geschäftsführer – reiste ich einmal mehr nach Australien, um die erste «Skeeta», wie sie nun offiziell genannt wurde, zu erleben.

Das Boot war das Resultat weiterer unermüdlicher Entwicklungsarbeit und es funktionierte – gemessen an unseren Anforderungen an ein solches Boot – ausserordentlich gut und zeigte jene Eigenschaften, welche schon bald vielen Seglern den Einstieg in den Foiling-Sport ebnen sollte.

Unsere australischen Kollegen und Partner hatten eindeutig richtig entschieden und ein erstaunliches Konzept realisiert.

Es war neu, wegweisend und es passte zu 100% zu unserem Bestreben – Foiling allen, die etwas Neues lernen und erleben wollten – sehr viel zugänglicher zu machen, als es bisher war. 

Nach emsiger «Foiling-Diplomatie» mit meinen Partnern Max und Andy um den halben Erdball herum, wurde ich autorisiert, die gesamte fürs erste Jahr vorgesehene Produktion des Vorserienmodells aufzukaufen. Gleichzeitig wurde QuantBoats beauftragt, die Skeeta öffentlichkeitswirksam in Europa vorzustellen und einzuführen. Um den 20. März 2018 herum erhielten wir die erste schneeweisse Skeeta per Luftfracht. Wir verpassten dem Boot einen auffälligen Look, der auf Fotos gut wirken würde und reisten anfangs April erstmals an den Gardasee – die anderen Reviere waren noch im Winterschlaf.

Offenbar lösten wir die Aufgabe, die Skeeta der publikumswirksam zu präsentieren, gut, weil die ersten Fotos und Beiträge fast simultan in Publikationen und Webseiten europa- und sogar weltweit auftauchten. Und die Zielgruppe schien begeistert zu sein. 

Es wurde rasch klar, dass die Zeit für «Volksfoiler» gekommen ist, sofern sie in ihrer technischen Komplexität, ihrer Beherrschbarkeit und den Anschaffungskosten keine zu hohen Anforderungen an die Einsteiger stellen würden.

Es ist nie einfach neue Boote zu verkaufen, umso mehr, wenn sie sozusagen auch noch eine neue Epoche einläuten oder begründen sollten. Bei der Skeeta schien das nicht so zu sein – bei den meisten, die sich mit dem Gedanken befassten, sich eine Skeeta anzuschaffen überwog der Wunsch «zu fliegen» die Zurückhaltung ein eventuell unreifes Produkt zu kaufen.

Die These, dass ein kleinerer, einfacherer, Foiler wie die Skeeta eine erstaunlich grosse Zielgruppe dazu bringen würde das «Experiment Foiling» zu wagen, wurde bestätigt.
Das Konzept kam an. Erste Schwachstellen technischer Natur wurden entdeckt und ausgemerzt. Die Saison 2018 war für uns eine ziemlich lebhafte – zumal die Lieferbereitschaft der Hersteller nicht den Erwartungen unserer Kunden entsprach.

Insgesamt wurde aber rasch klar, dass die Skeeta Zukunft hatte. Diese Signale aus dem fernen Europa wiederum, war die Basis für den Entscheid von «Skeeta-foilingcraft» in Melbourne, das Boot in ein echtes und weit günstigeres Produktions-boot weiterzuentwickeln – und für uns wurde klar, dass wir dadurch wiederum und sogar noch länger auf «Nachschub» für unsere ungeduldige Kundschaft warten mussten. Auf der anderen Seite war die Entscheidung richtig, wie wir zugeben mussten.

Nach 2018 wurde auch 2019 in kaufmännischer Hinsicht für uns das, was man ein verlorenes Jahr nennt: Es gab rege Nachfrage, die wir nicht befriedigen konnten. Das Tagesgeschäft gestaltete sich überschaubar und deshalb investierten wir viel Zeit in strukturelle oder strategische Aufgaben. 

Bereits während den ersten Tagen des Segelbetriebes mit Einsteigern haben wir erkannt, dass ernsthaftes Kaufinteresse stark korreliert mit der Möglichkeit, die Skeeta nicht nur anschauen zu können, sondern auch sie auszuprobieren.

Was wir also erstmal dringend brauchten, war – entgegen der Annahme einiger «Berater» – kein Händlernetz, sondern «Multiplikatoren»: Im vorliegenden Fall Institutionen wie Segelschulen, Clubs, Holiday-Resorts mit Segelabteilung etc. aber auch einzelne Personen, die in der Lage sind das Boot und seine Systeme nicht nur vorzustellen und zu erklären, sondern auch praktische Lektionen anzubieten.

Wer diese Aufgabe richtig anpackt muss nicht mehr sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, weil das Produkt für sich selber spricht. Das ist das was wir heute über die Eignung der Skeeta wissen, wenn es darum geht die Basis der foilenden Segler und Seglerinnen namhaft zu verbreitern. Unsere potentiellen «Multiplikatoren» mussten eine Skeeta haben, ausreichende Kenntnisse zur Materie vorweisen können und an einem «schulungsgerechten» Ort sein.

In der Organisation von Heinz Stickl (www.stickl.com) in Malcesine am windsicheren und ferientauglichen Gardasee, hatten wir seit 2017 mit einer Quant23 bereits «einen Fuss in der Türe». Heinz hatte als sehr guter Segler und sorgfältiger Beobachter der Entwicklung schon sehr früh begriffen, dass Foilen im Kommen ist, weil es – einfach gesagt – die Art von Windsport ist, die am besten in unsere technologieverliebte Zeit passt, in welcher Begriffe wie «Speed» und «Effizienz» zum täglichen Vokabular gehören und in weiten Kreisen eine eigenliche «Technologieverliebtheit» festzustellen ist.

Die Skeeta war bei Stickl deshalb eine sehr erwünschte Ergänzung, weil sie die Vorteile im Bereich «Einstieg ins Foiling» gegenüber der im Dienst stehenden Waszp rasch demonstrieren konnte. Die Bestätigung mit der gewählten Strategie richtig zu liegen, erfolgte schon bald mit etlichen Anfragen von Interessenten, die bei Stickl mit der Skeeta in Kontakt kamen.

Die Bestrebungen weitere Partner, zu finden ist heute eine stetige Arbeit und es gibt Anzeichen, dass einige von ihnen über die Zeit auch eine eigene Verkaufstätigkeit aufnehmen werden, was wir als grossen Vorteil sehen.

Jim French testet den Bi-foiler Prototyp der späteren Skeeta vor dem McCrae Yacht Club.
Jim French auf einer der ersten Vorserien Skeetas…
…und sein Freund Dr. Ian Ward auf einer älteren klassischen Knick-Spant Scow
Michael Aeppli – zum ersten Mal in einem Centre-Line-Foiler am Werk in der zweiten Januarwoche 2018 in Pittwater Bay, nördlich von Sydney.
Die erste Skeeta in Europa, zurechtgemacht für ihren ersten Auftritt anfangs April auf dem Gardasee.
Schon am ersten Tag auf dem Wasser segelte Adriano Petrino einer der besten Schweizer Mothsegler die Skeeta. Sein Kommentar: Ich hätte nie gedacht, dass ein so einfaches Gerät so gut foilt.
YachtingWorld (fb portal) veröffentlicht Ende April 2018 einen Clip, den ich an einem Abend mit einer Instruktorin von Stickls Foilingcamp produziert und dem Magazin zur Veröffentlichung freigegeben habe. Das nicht gerade professionelle Filmchen geht viral und hat heute knapp 600’000 views, fast 10’000 likes und 900 Kommentare. Foilen fasziniert – ganz klar.
Am 20. Juni 2018 holen wir am Flughafen Zürich drei weitere Skeetas ab, die wir dringend benötigen, um das Boot an diversen Anlässen präsentieren zu können.
Die Boote vor unserer Halle am Zürichsee fein säuberlich aufgereiht.
Wir freuen uns über Deine Fragen

Das Thema «Foils» ist für viele noch sehr neu – gerne geben wir Dir unser Wissen und unsere Erfahrung weiter.